Reviews

REVIEWS
TWISTED ANIMALS



Rolling Stone September 2016

Summen statt Posaunen: Minimalpop-Chansons mit viel Romantik.

Für ihr viertes Album stellen Anne von Keller und Jakob Dobers ihre Minimalpop-Chansons in etwas detailliertere Arrangements und buchstabieren Ideen aus, die auf früheren Platten skizzenhafter geblieben wären. Nun tritt die Romantik, die in diesem Werk immer genauso wichtig ist wie das Karge, ein wenig in den Vordergrund. Sie ist natürlich ohnehin das Herz in dieser Musik, die lieber summt als rausposaunt. Eine der besten Momente schafft "Into The Woods", das eine hypnotische Spieluhrmelodie hat, sich anfühlt wie französisches Autorenkino und viel zu früh vorbei ist. Aber es gibt hier noch viele weitere kleine Wonnen. Die Schlichtheit legt frei, wie schön diese Lieder sind. (Jörn Schlüter)


Musikexpress September 2016

Die Ausnahme von der Regel: nicht-manipulativer Indie-Folk.

Vor gut(en) zwei Jahren fand sich der Autor dieser Zeilen – wahrhaft kein großer Freund von larmoyantem Indie-Folk – in einem Kreuzberger Mitmachzirkus für Kinder wieder. Nachts, ohne Kinder. Dafür, im Rahmen einer heiteren Songwriter-Gala, mit den vom Autor befürworteten Künstlern Jens Friebe und Schneider TM, sowie dem ihm radikal unbekannten Indie-Folk-Duo Sorry Gilberto. Neben Sufffantasien rotierten die Songs von letzteren später auf dem Nachhauseweg in seinem Schädel.
Was war geschehen? Wie andere ihrer Zunft arbeiten auch Sängerin, Multiinstrumentalistin und Schauspielerin Anne von Keller und Sänger/Gitarrist Jakob Dobers sich an Alltäglichkeiten ab, interpretieren liebevoll vermeintliche Nebensachen („a yellow sweater on a plastic chair“). Aber sie tun das ohne die ewige Träne im Knopfloch, trachten nicht nach Mitleidsprovokation des Hörers.

Sorry Gilberto durchschneiden den Gefühlsknoten mit „simple melody, nice philosophy, happy song“, erfrischen mit neuen Blickwinkeln, wenn sie etwa den Autoritätsverzicht von schlechtem Wetter loben („dear grey sky, you never push it, I might go for a walk or maybe not“). Die beiden machen schlicht Spaß und wirken dadurch authentischer als die meisten ihrer Schluchzerkollegen. Auf einmal geht die sonst oft Scheinintimität erzwingende Formel mit der kargen Instrumentierung auf, erkennt man wieder, dass es kein falsches Genre gibt. Nur falsche Einstellungen und Absichten (Stephan Rehm)


The devil has the best tuna October 2016, Blog from Liverpool

New Music to Delight Your Ears.

Berlin duo Jakob Dobers and Anne von Keller aka Sorry Gilberto, have been serving up delightful little pearls of indie pop perfection for over 10 years. At the end of last month they released their new album, Twisted Animals, which is full to the brim of beautiful little nuggets of musical gold like their latest single, Yellow Sweater. It's gentle, minimalist pop that finds beauty and significance in the humdrum everyday objects and event including a yellow sweater, a cup of coffee and the humming of bees.

It's so soothing it should be prescribed by doctors to relieve stress and so beautiful it should be hanging in a gallery.


Culturmag.de Oktober 2016

Grauer Himmel über der Stadt

Ich habe an dieser Stelle schon länger kein Loblied mehr auf Duos gesungen; diese kleinstmögliche Bandeinheit, die sich im Idealfall selbst genügt und keine Wünsche offenlässt. Sorry Gilberto aus Berlin – Anne von Keller und Jakob Dobers – sind eine solche Bandeinheit, die zu zweit ganz wunderbar funktioniert. Wobei „funktionieren“ ein viel zu techniklastiger Terminus ist, um die Musik von Sorry Gilberto zu beschreiben: Auf ihrem inzwischen vierten Album „Twisted Animals“ gehen Anne und Jakob ein paar Schritte weiter, geben aber ihren so sanften wie einprägsamen Sound dabei nicht auf. Reduzierte Arrangements lassen den Ideen viel Raum, aus Gitarre, Bass und Stylophon basteln von Keller und Dobers wunderschöne Melodien, die (vor allem wenn Jakob singt) an die Go-Betweens erinnern. Neu im Gilberto’schen Klangfundus ist ein Omnichord, das zuweilen für leicht entrückte Stimmung sorgt, aber nur ein bisschen, denn bei aller Großstadtromantik sind Sorry Gilberto ja keine Psychedeliker. Eher wache BeobachterInnen und konkrete Poeten, sie singen von gelben Pullovern oder glänzenden weißen Schuhen, die einer zum Rendezvous anzieht (ob sie wohl helfen?), und vom grauen Himmel über der Stadt. Aber auch davon, dass eine Person mal deutlich netter war als jetzt, in der „demo version of this song“ („Nicer Person“) nämlich, die es allerdings nicht aufs Album geschafft hat. Der Gesang der beiden – ob gemeinsam oder abwechselnd – wärmt die Herzen, man darf sehr dankbar sein im Herbst für eine Platte wie „Twisted Animals“. Und für Sorry Gilberto sowieso – die spielen übrigens ganz in eurer Nähe, geht auf jeden Fall hin! (Christina Mohr)

 

Soundkartell.de Oktober 2016

Nicht erst seit dem Film „Once“ sind die musikalischen Zusammenkünfte von Frau und Mann in der Regel immer etwas Besonderes. Sei es wegen der oft vorhandenen Grundstimmung oder der Frage, ob sich die Faszination der Beiden nur auf die Musik beschränkt. Für mich machen hier SORRY GILBERTO überhaupt keine Ausnahme. Bereits seit 2007 haben Anne Von Keller und Jakob Dobers sich gefunden und zusammen überlegt, den Hörer mit der Klar-und Einfachheit ihrer Musik in einen von Glück beseelten Zustand zu versetzen. Auch auf der aktuellen CD „Twisted Animals“ bleibt sich das Duo treu und vermag dem vermeintlichen Lauscher mit unkomplizierten Songinhalten eine gewisse Leichtigkeit zu vermitteln.

Denn in den Liedern von SORRY GILBERTO geht es um die kleinen Geschichten und Beobachtungen im Leben, die mit einer bewussten Portion Melancholie vorgetragen werden. Egal, ob nun über den Himmel (vorzugsweise in Grau), Menschen (fast vergessene), Bäumen (und ihrer Menschlichkeit), Pullovern (und den damit verbundenen Erinnerungen) oder dem Sonnenuntergang (und mit mehr Abschied als nur vom Tag) erzählt wird. Nichts scheint auf dem ersten Blick (oder besser gesagt Ton) trivial zu wirken, geht es doch in Wirklichkeit um die Bedeutung der kleinsten Details im Leben, die allem erst einmal einen Sinn geben sollen. Ups, jetzt bin ich wohl ebenfalls ein wenig der Poesie von SORRY GILBERTO erlegen.

Der Knaller und leuchtend helle Farbklecks zum neuen Album ist jedoch das aktuelle Video zum Track „Yellow Sweater“, in dem zu bewundern ist, wie unser Duett sich als Catcher (modern auch Wrestling genannt) mal so richtig auf der Matte austoben durften. Auhauerha! Da würde mich persönlich schon interessieren, wo hier der Zusammenhang zum Lied besteht – aber abgefahren und lustig ist es alle mal. Aber keine Angst, niemand wird bei den 11 Songs in den Schwitzkasten genommen – ganz im Gegenteil. Viel mehr können die Kompositionen durchweg mit viel Gitarre, Hall und sphärischen Klängen eine eher grundentspannte Stimmung erzeugen.

Das sind Lieder, die einen gerne durch den Tag tragen dürfen. Ob nun die Sonne scheint (aber noch besser es regnet), man im Auto durch die Landschaft cruist (lümmeln auf der Couch geht auch) oder man einfach nur gut drauf ist (oder doch eher nicht) – „Twisted Animals“ ist immer der perfekte Soundtrack, wo alles andere einfach nur hoffnungslos versagen würde und man sich beim durchzappen der Playlist fast blutige Finger holen kann. Das Album „Twisted Animals“ darf somit gerne als Allheilmittel für jegliche Gemütszustände verschrieben werden, denn bekannte Nebenwirkungen scheint es keine zu geben.

Lediglich für die Party oder ähnlich veranlagte Aktivitäten dürfte man dann doch mit dem Werk von SORRY GILBERTO ein wenig daneben liegen..es sei denn, es wird bereits schon wieder hell, der Sonnenaufgang schafft diese ganz besondere Stimmung, die Füße wollen auch endlich chillen und eigentlich hab ich alle lieb…ja dann – dann ist es auch hier endlich Zeit für dieses wirklich feine Stück Musik. (Eddie Vollgas)



Musicwontsaveyou.com November 2016

Alla curiosa denominazione di Sorry Gilberto corrisponde un altrettanto ironico duo da tempo attivo nell’underground berlinese e non a caso presente nella recente raccolta "Berlin Songs Vol.4" con una spassosissima filastrocca.

Quel brano può in un certo senso considerarsi una succosa anteprima di “Twisted Animals”, quinto disco di Anne von Keller e Jakob Dobers, i cui undici brani mantengono fede all’idea di orchestra in miniatura del duo, tanto dal punto di vista della dimensione numerica quanto da quello della strumentazione impiegata, che i due musicisti hanno il vezzo di affermare essere a misura di trasporto in automobile.
Ukulele, glockenspiel e tastierine (più o meno) giocattolo popolano infatti le canzoni di “Twisted Animals”, delicate miniature di agrodolce malinconia che non rinunciano al gusto giocoso di un affiatato folk-pop casalingo, variamente contaminato con elementi che tracciano idealmente un ponte dalle tradizioni uggiose mitteleuropee a spensierate cadenze tropicali.

La leggerezza dei Belle & Sebastian e l’intimismo degli ovattati scambi vocali dei due artisti danno forma a una sequenza di canzoni imbevute di un’eleganza pop di altri tempi, la cui sottile malinconia è comunque ben temperata dalla capacità del duo di non prendersi troppo sul serio, ad esempio inserendo brillanti ritmiche acustiche e tastierine vivaci in passaggi di delicata introspezione, che rispecchiano il fascino dimesso e il romanticismo di un cielo grigio autunnale berlinese, non a caso evocato proprio dal titolo del brano d’apertura. (Raffaello Russo)




REVIEWS
CONSTRUCTION WORK & STORMY WEATHER


Rolling Stone November 2012

Schön, dass es auch hierzulande Musiker gibt, die wissen, dass man etwas Dilettantisches in etwas Magisches überführen kann. Anne von Keller und Jakob Dobers bewegen sich zwischen zärtlichem Belle-&-Sebastian-Pop und andächtigen Jazz-Folk-Stücken mit traumwandlerischer Sicherheit. (Max Gösche, Jörn Schlüter)


FastForwardMagazine Oktober 2012

Der Herbst gehört den Geschichten. Dem Wind, dem Regen und den frühen Abenden im Halbdunkel der eigenen Wohnung. An manchen Tagen schimmert noch die Sonne durch die Bäume, und die Luft riecht nach Abschied. Ich wohne in Berlin, und es ist Herbst. Für beide Tatsachen gibt es nun einen Soundtrack. Die dritte Platte von Sorry Gilberto. „Construction Work & Stormy Weather“ heißt sie und ist ihre bis jetzt Schönste geworden.
Sorry Gilberto sind die Berliner Anne von Keller und Jakob Dobers und die beiden spielen verschiedenste Instrumente. Gitarre, Bass, Orgel, Ukulele oder kleine Keyboards. Dazu singen beide über Geschichten, die von irgendwo angeweht kommen und nach einer Weile auch wieder ins Nirgendwo verschwinden. Momentaufnahmen aus der Bewegung. Beschreibungen von Innen und Außenansichten. Mal zart, mal fordernd. Mal melancholisch, mal verspielt. Musik, die aus Großstädten Landschaften macht. Urbanfolk im eigentlichen Sinne.
Schon der erste Song „Part Of Me“, verbindet die Elemente, die sich wie ein Faden durch alle Songs ziehen. Ein kindliches Erstaunen über die Seltsamkeiten des eigenen Lebens, ohne zu vergessen, dass all das eine Geschichte hat, und dass diese Geschichte mit jedem Jahr eine längere wird. Eine zarte Gitarre, Annes Stimme, die sich anhört als würde sie direkt neben dir stehen und dir leise ins Ohr singen, halb für sich, halb für dich. Dazu Jakobs viel dunklere Stimme und plötzlich Streicher. Ja, die leisten die beiden sich auf diesem Album neben einem Schlagzeug, das auch in manchen Songs zu Gast ist. Und dann dieser ohrwurmträchtige Refrain: „Oh life, the longer you have it, the stranger it gets…”
Aber auch Beats gibt es zu hören. Mal mit erwähntem Schlagzeug eingespielt wie in „Who Am I Watching“, mal als kleine elektronische Beigabe wie in „New Sensation“ zu dem das nächste Video bereits in Arbeit ist. Tanzend durch die Stadt ziehen. Nicht schnell, nicht gehetzt, aber in Bewegung. Oft aufbauend, anschwellend wie in „Dear Passengers“ oder dem trotzigen „Why Afraid“. Immer mit Melodien ausgestattet, die hängen bleiben. Die man noch eine Weile weiter vor sich hin summen will. Mal wuchtig und mit rumpelnder E-Gitarre wie in „Blockbuster“ das fast schon in den Indierock rutscht. Mal ganz zurückgenommen wie in „Chemical Romance“, wo Jakob seiner absurd erscheinende Vorstellung Ausdruck verleiht, zwei von ihm geschätzte Legenden der Literatur und Filmwelt miteinander tanzen sehen zu wollen. Begleitet von einer Ukulele und einem kleinen zarten Casio.
Ähnlich seltsam auch die Hymne an ein Tier, über das man kaum etwas weiß. “Tapir“. Ein in der Dämmerung lebendes Geschöpf, das von vielem vieles hat aber nichts davon eindeutig. Für mich die perfekte Beschreibung Berlins. Überhaupt scheinen die beiden in einer immer unentschieden bleibenden Art angekommen zu sein in dieser Stadt. Musikalisch und textlich. Aber ankommen in Berlin heißt eben immer auch ankommen in der Veränderung. Ein Berlinalbum. Vertont.
Einmal fehlt auch Annes so ziehende und schubsende helle Stimme und Jakob singt allein. „So Soon“ erzählt zu gezupfter Gitarre und kleinen Tontropfen aus dem Keyboard verträumt von der Frage, wie früh oder spät zu gehen wohl richtig ist. Wunderschön.
Man sollte sich Zeit nehmen für dieses Album und seine 12 Songs, denn es entfaltet sich beim Hören immer mehr. Kommt einem beim ersten Mal manches noch wie nebenbei gehört vor, setzen sich die Song mit der Zeit immer fester. Werden Freunde. Ein Herbstalbum eben. Denn Zeit findet sich in dieser Jahreszeit eben leichter. (Marcus Reinhardt)


Folkworld.eu Dezember 2012

This is a very cute record that should work with listeners who don’t like ‘cute’ records. There is light playful acoustic pop music with male and female vocals that are childlike without being condescending. Yet I detect some Leonard Cohen stylized singing/talking like that in “The Jury”. And there is even an exotic quality between the vocalists that reminds me of the great early Elly & Rikkert albums from the Netherlands. These arrangements are so sparse and spooky that when a lightly fuzzed electric guitar comes in during “Blockbuster” it sounds like a Motorhead by comparison. It is a little too quirky to be mystical, but these two handle that tight ropewalk between those two adjectives with elegance and grace. This is a pleasant surprise. (David Hintz)


Popmonitor Oktober 2012

Dem sympathisch-umtriebigen Berliner Antifolk-Duo SORRY GILBERTO gebührt ja allein schon dafür Respekt, sich in der vielstimmigen hauptstädtischen Singer/Songwriter-Szene über die Jahre eine ganz eigene Nische mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen und trotz des relativ engmaschigen Prinzips einer stets aufs Nötigste bedachten stilistischen Reduktion auch eine gewisse Art von Catchyness zur outstanding Trademark erkoren zu haben.

Nach Memory Oh (2008) und It Was The Longest Day And We Didn't Know How To End It (2010) veröffentlichen Jakob Dobers und Anne von Keller nun mit Construction Work & Stormy Weather also bereits ihr drittes, gleichermaßen in Annes Küche und dem bewährten Popschutz-Studio aufgenommenes Album, auf dem der thematische Faden einer Romantik des Alltäglichen auf gewohnt charmante Weise weitergesponnen und in Form von allerlei kleinteiligen, gleichermaßen obskuren wie wahrhaftigen Betrachtungen des Lebens mit all seinen Schön- und Unwägbarkeiten dargeboten wird, musikalisch eingebettet in die gewohnt feinfühlig-melancholischen, größtenteils mit Akustikgitarre, Ukulele und Casio instrumentierten Folksongs.

Offenkundig bedeutet aber auch bei den Gilbertos "Stillstand gleich Rückschritt", und so wird die bislang quasi traumwandlerisch verinnerlichte Ausformulierung ihrer anmutigen Drei- bis Vierminüter auf Construction Work & Stormy Weather um die eine oder andere spannende Nuance erweitert bzw. variiert, so wartet beispielsweise 'Who Am I Watching' mit einem flotten Drumbeat und entfernt an noisige Distortion Marke Sonic Youth erinnernde Gitarrensprengsel auf, während 'Tapir' und insbesondere das von Gast-Drummer Steve Heather befeuerte garagige 'Blockbuster' mit ungewohntem, gleichwohl wohligem Gitarrenlärm überraschen und Assoziationen zu Bands wie Pavement, The Feelies oder gar The Kills heraufbeschwören.

SORRY GILBERTO gehen auch auf dem dritten Album ihren ganz eigenen Weg, verweigern sich dabei aber keineswegs der einen oder anderen Neuerung und zelebrieren auf ganz wunderbare Art und Weise weiterhin ihre charakteristische, introspektive Herangehensweise an Musik, "Musik zum Aus-der-Zeit-fallen, auf der Höhe der Zeit" (Presseinfo). Schöner kann man es nicht formulieren. (Thomas Stern)


Spex.de Oktober 2012

»It was the longest autumn that we ever had, even traffic sights pretended deeper meaning«, singen Sorry Gilberto auf ihrem neuem Album Construction Work & Stormy Weather im hier und jetzt, mitten im Oktober. Prophetische Poesie? Ihr Drittling erscheint zwar erst am 26. Oktober bei GoldRausch, Anne Keller und Jakob Dobers geben sich aber bereits heute im Marie-Antoinette, Berlin, die Ehre für eine Releaseparty mit Konzert. Der besungenen Jahreszeit entsprechend dürfte es gemütlich bis beschwingt werden. Den Anlass dazu bieten zwölf neue, elektronisch unterstützte Folksongs. Alle charmante, manchmal vielleicht etwas angestaubte, Miniaturen, die aber auch über sich hinausragen und -tragen können. Und reich an Lektionen wie dieser sind: »Oh life! The longer you have it, the stranger it gets.« Dementsprechend ist CW&SW auch ein Album der kleinen humorigen Kuriositäten geworden. Erfreulich. (Thomas Vorreyer)


RoteRaupe.de 25.10.2012

vorne drauf sieht man nacktes, bürgerliches wohnblock-leben, über dem sturmwolken aufziehen und kräftig zu brodeln scheint. hinten lassen die beiden protagonisten anne und jakob imaginäre drachen steigen, an die ihre songs geknüpft sind.

sorry gilberto sind in ihrer musik mehr sie selbst als andere bands. sie pflegen ihr deutsch-akzentuiertes englisch und lassen höchstens ein kleines bisschen hall an ihre instrumente. die produktion ihrer musik ist ungewöhnlich wenig bearbeitet, sie lassen ihre bürgerlichkeit mitkommen, ihre musik erzählt direkt aus ihrem leben, ist kein fantasiegebilde, sondern eine bunte schleife auf einem grauen alltag - so könnte man die verbindung zwischen artwork und musik ziehen.

niedliche keyboardsounds und -drums treffen unaufgeregtes songwriting und sympathisch direkte lieder. musik von mensch zu mensch. (oliver lichtl)



REVIEWS
IT WAS THE LONGEST DAY AND WE DIDN’T KNOW HOW TO END IT



Intro September 2010

Plattenkritik in einem Satz:
Ukulelen-Core, Leonard-Cohen-Ultras und was es nicht sonst zu diesem Berliner Duo zu sagen gäbe. So viel aber nur: richtig gut gerade die beiden. (Linus Volkmann)


Popmonitor 7.9.2010

SORRY GILBERTO - It Was The Longest Day And We Didn't Know How To End It
07.09.2010 von ts

Schlichte Schönheit.

Das aus Anne von Keller und Jakob Dobers bestehende Berliner Duo SORRY GILBERTO gilt bereits seit einigen Jahren, spätestens aber seit seinem 2008er Debütalbum Memory Oh (CD-Kritik) als Garant für eine charmante musikalische Aufbereitung kleiner und großer, gerne auch schon mal obskurer Alltagsgeschichten mit lauschigem Do-it-yourself- und Wohnzimmer-Flair. __Auch auf dem neuen, im Berliner Popschutz-Studio mit befreundeten Mitgliedern der Band Brokof aufgenommenen Album gelingt es den beiden Protagonisten vortrefflich, Alltäglichem und nur scheinbar Belanglosem mit den Mitteln eines überwiegend zurückhaltend instrumentierten, gelegentlich mit Ukulele, Melodica, Glockenspiel oder Casio-Keyboard verzierten Singer/Songwriter-Folk eine neue Bedeutungsebene und somit gleichsam eine wunderbar melancholisch anmutende Wahrhaftigkeit angedeihen zu lassen, der in vielen Stücken wie 'Blue Bus', 'The Masterpiece' oder den beschwingten 'Roadsong' und 'This Is The World' zudem eine ansteckend lebensbejahende Euphorie innewohnt.__SORRY GILBERTO verwischen auf It Was The Longest Day And We Didn't Know How To End It abermals die Grenzen zwischen Traum, Imagination und subjektiver Erinnerung und spielen gewohnt stilvoll den Trumpf schlichter Schönheit aus, eine Schönheit, die sich nicht zuletzt in einer wohligen Anmut ihrer Musik widerspiegelt. (Thomas Stern)


TAZ 10.9.2010

File under L wie Lagerfeuer: Die zweite von Sorry Gilberto

Sorry Gilberto sind Anne von Keller und Jakob Dobers, und auf dem Cover ihres neuen Albums mit dem etwas umständlichen und versponnenen Titel „It was the longest day and we didn’t know how to end it“ sieht man die beiden in einem Boot sitzen, was sich auf dem Foto recht idyllisch ausnimmt und beschaulich, wie sie da bereits etwas in die Ferne gerückt auf dem Wasser in sich versunken sind. Was natürlich nur eine Vermutung ist, das mit dem In-sich-versunken-Sein, so ihre Lieder hörend, die auch nicht richtig aus sich herausgehen, weil sie das gar nicht wollen. Die also wieder mal eher unspektakulär geworden sind auf dem zweiten Album von Sorry Gilberto.
Was aber nicht heißen soll, dass diese Lieder sich ganz in ihrer Bescheidenheit verkriechen. Die wollen schon etwas Tingeltangel, aber eben nicht für die große Bühne, sondern als nette kleine Showeinlage im Strassencafé. Sie sind die freundlichen Lieder am Lagerfeuer. Zurückhaltend. Aber nicht schüchtern. Der Berliner Großstadtfolk als hiesige Entsprechung zum Antifolk. Das sind Sorry Gilberto. Und wenn ein Lied mal nach einem voluminöseren Klangkissen verlangt, wie es ein Akkordeon sein könnte, dann nimmt man bei dem Duo nicht das Akkordeon, sondern eine Melodica, die ein bisserl ähnlich klingt, aber halt viel kleiner ist und einfacher. Jakob Dobers spielt neben der Gitarre gern die Ukulele, die eine ziemlich kleine Gitarre ist und zwischen den vielen kleinen Instrumenten und den kleinen Melodien lassen Sorry Gilberto dann zwischendurch so Sätze wie „I didn’t like the thing itself, but I like the memory of it“ in den Liedern liegen, die ein wenig melancholisch sind und ein wenig nach Sommerfrische schmecken. Vor allem aber sind sie einfach gesellig, weswegen man die Platte am Samstag im Ballhaus Ost auch mit vielen freundschaftlich verbandelten Kollegen feiert. (Thomas Mauch)


TIP Nr. 19 2010

Sorry Gilberto im Ballhaus Ost
Flexibel zu zweit: Mit unsentimentalem Minimalpop gewinnt das Duo die Herzen der Antifolk-Fans.

Wie man aus der Not eine Tugend macht, darüber können Sorry Gilberto einige Lieder singen: die Berliner Antifolker hatten 2007 gerade die erste Tour gebucht, da brach sich ihr Schlagzeuger kurz vor dem Start den Arm. Das verbliebene Duo Anne von Keller und Jakob Dobers trat die Konzertreise trotzdem an und machte die Erfahrung, dass die Fokussierung auf zwei Instrumentalisten nicht nur den Songs, sondern auch dem Unterhaltungswert ihrer Präsentation zugutekam. Hier der bärtige Hüne, der mal die E-Gitarre zupft, mal die Ukulele rockt, dort die feenhafte Bassistin und Casio-Organistin, die als Co-Sängerin dafür sorgt, dass die Refrains als gemeinsame Aussagen rüberkommen. Dadurch, findet Jakob, sei "die Sentimentalitätsgefahr deutlich gemindert". Denn auch wenn die skurrilen Alltagsnotizen alle seiner Feder entstammen, habe er beim Verfassen der Songtexte "schon früh im Ohr, welche für Anne sind." So auch auf ihrer zweiten Platte "It Was The Longest Day And We Didn’t Know How to End It" das Stück "Diary Of Dirty Dresses", wo die Protagonistin in ein Superheldinnenkostüm schlüpft, um darin die Wahlheimat aus der Vogelperspektive zu betrachten und

sich den Möwen anzuschließen: "And I will hang out with the seagulls for a while / cause they know how to appear and to disappear in style" heißt es da und der Reim verleiht dem Refrain in Moll das Gegengewicht. Umgekehrt enthält die neckische Off-Beat-Nummer "This Is The World" manch misantrophische Wahrheit, die auch Schopenhauers Zustimmung gefunden hätte. In der Kunst, "durch lustige Einlagen das zuvor Beschriebene nicht aufzuheben, sondern lebensechter zu machen", so wie es Jakob bei den Silver Jews und den Go-Betweens schätzt, zeigen sich auch Sorry Gilberto begabt. Und diese Haltung dürfte die beiden zudem gerüstet haben, auch in misslichen Situationen nicht die gute Laune zu verlieren: "Als wir nach einem Gig in Göteborg entdeckten, dass an unserem Leihwagen eine Scheibe eingeschlagen war, spielten wir am nächsten Morgen einfach in der Fußgängerzone weiter", erzählt Anne, "und hatten abends das Geld für die Reparatur zusammen!"
(Markus von Schwerin)


Rote Raupe 27.8.2010

misunderstanding in the backyard of my mind – kennt sicher jeder. _auch die gefühle die damit verbunden sind. derer gibt es da viele: irrung, wirrung, verwund(er)ung, unverstehung, ohne orientierung…ertragbar mit melancholischer, ehrlicher und auf sich selbst projizierbarer musik. hier die lösung: sorry gilberto. selbstsprechend impliziert sorry dann ja auch schon so einiges. __there is always something you can leave behind for your orientation__und nach orientierung suchend könnte passen. auf die musik, auf die texte, auf den menschen. fragt sich nur ob man etwas zurücklassen muss, damit es besser geht – wahrscheinlich.__eine oft wechselnde instrumentierung zieht sich durch it was the longest day and we didn´t know how to end it wie diverse eissortenkreationen durch die jahre. die einzige konstante in dem zweiten album von anne von keller und jakob dobers ist die ukulele. fast in jedem lied hüpft sie melodie- oder hintergrund bildend durch die gegend und unterstreicht den einfachen stil des textlich gedachten ganzen. aber auch andere tonerzeuge kommen zum einsatz, verleihen jedem stück charakter und bilden ein überraschungsmoment für sich. _durch simplizität wird mittelbarkeit erreicht; nähe und das gefühl von zugehörigkeit.__innerhalb des albums gibt es gefühlische schwankungen, der minimalen tonspur bleiben die beiden jedoch treu; dem text auch._abgeholt wird der albumeinsteiger vom blauen bus um dann eine wunderliche reise durch bebilderte zustands- und lebensbeschreibungen zu erhalten. ordnungsgemäß gibt es auch zwischenstops um gehörtes nachzufühlen – das macht froh.__durch selbstversuch wurde auch die ideale albumhörzeit ermittelt: nach langem und erholsamen schlaf mit ausgiebigem frühstück genießen – bei aufgesperrten fenstern und hereinströmender restsommerluft. __today i saw the masterpiece hanging on the wall – trotzdem geht es weiter. (Moni)


Fastforward Oktober 2010

Melancholie schadet nie
Reingehört in das neue Album von SORRY GILBERTO.

Ein See im Abendlicht. Darauf schwimmt ein kleines Paddelboot, auf dem zwei Menschen sitzen. Das Foto könnte aus einem alten Familienalbum gefallen sein. Jedenfalls erinnert es an Vergangenes. Es ist aber kein altes Urlaubsfoto, sondern das Cover des neu erschienenen Albums von SORRY GILBERTO, doch lassen sie das Erinnern auf angenehme Weise zu.
SORRY GILBERTO besteht aus den beiden Berlinern Anne von Keller und Jakob Dobers. It Was The Longest Day And We Didn´t Know How To End It heißt ihr neues Album, das im September erschien ist. Der Titel lässt schon vermuten, dass es sich bei den Liedern ausschließlich um englische Titel handelt, doch sind die Texte so klar und simpel, dass man selbst mit einfachem Schulenglisch so gut wie alles gleich auf Anhieb versteht. Diese Einfachheit der Texte nimmt den Liedern ein wenig die Schwere und das genau an der richtigen Stelle. Mit ihren sanften Stimmen, die einer einfachen Melodie folgen, entwickeln sie eine nette Naivität. Man könnte fast melancholisch werden, denn beim Hören rennen die eigenen Kindheitserinnerungen unaufhaltsam auf einen zu. Melancholie mit einer Prise Ironie. In „The Masterpiece“ gibt es dafür ein schönes Beispiel: „Today I saw a masterpiece, but I didn’t pay the price. (…) I didn´t like the thing itself, but I like the memory of it.“
Wenn der Schwerpunkt hauptsächlich auf den Texten liegt, wird manchmal die Musikalität in den Schatten gestellt, was zur Folge hat,

dass jedes Lied gleich klingt. Das ist hier Gott sei Dank nicht der Fall. Jeder Song hat eine andere Farbe und auch mitten in den Liedern sind SORRY GILBERTO für eine Überraschung gut. „Dear Akademy“ wirkt mit Tambourinbegleitung wie ein Minnesangstück aus der Neuzeit, in das plötzlich eine Bassgitarre und das Casiokeyboard einsetzen. Man weiß manchmal gar nicht, wie sie zu zweit so eine Bandbreite an Instrumenten und deren Kombinationsmöglichkeiten einsetzen und dazu auch noch singen können. Anne spielt Keyboard, Bassgitarre, Flöte, Glockenspiel und Xylophon. Jakob begleitet seine weiche und tiefe Stimme meist mit einer Akustikgitarre oder Ukulele. Zusammen strahlen sie Ruhe und eine seltene Ausgewogenheit aus. Er kann nicht ohne sie und sie kann nicht ohne ihn. Eben so, wie eine Familie sein sollte. Beim nächsten Stöbern in alten Fotoalben sollte man dazu diese Platte laufen lassen. Nicht nur wegen den Kindheitserinnerungen, sondern um zu begreifen, was vergangen und was zeitlos ist.
Sorry Gilberto bleibt hoffentlich zeitlos. (Ronny Ristok)


Folkworld Dezember 2010

Sorry Gilberto "It Was the Longest Day and We Didn’t Know How to End it"   Goldrausch Records 2010

I instantly detected many of the modern folk moves present on this record. While I welcome many of the modern interpretations in the free folk or freak folk arenas, there is plenty of evidence of overkill as well. Thankfully, this entry from a Berlin duo is one of the better ones and at times, a very good record. Instrumentation is sparse with ukuleles and a melodica often the only thing I hear beyond the male and female vocals carrying the songs. Lyrics are sharp and funny… “I was sitting on the pavement. I was listening to the pavement”. Songs like “Diary of Dirty Dresses” and “Dear Academy” have a quiet intensity to them in the manner of Elly & Rikkert and even Fit & Limo. That is high praise from me as these two duos are two of the finest psychedelic folk duos ever. These two have captured the classic sounds of the late sixties and early seventies yet sound fully contemporary. I have a feeling that if they to open for Joanna Newsom. I would enjoy their set even more.  (David Hintz)


Amazon-Review Dezember 2010

Magische Musik, wie immer man sie auch nennen mag..., 23. Dezember 2010
Von Kaot

Eine ganz famose Photographie schmückt das Cover des zweiten Albums von SORRY GILBERTO aus Berliner und verleiht dem merkwürdigen Titel eine greifbare, nahezu Atem raubende Stimmung der Sprachlosigkeit. Federleicht hingegen klingt die Musik, und so nah am pulsierenden Leben, dass alles Beiwerk reichlich überflüssig erscheinen würde - auf dem Backcover gibt es beide Musiker als Hampelmann und -frau, wer braucht da schon ein Booklet? SORRY GILBERTO reduzieren ihre Lieder auf schlichte Melodien, die auf spärlichem Instrumentarium leise, aber bestimmt intoniert werden; wobei "reduzieren" nicht mit einem etwaigen Verlust einhergeht. Dabei setzen Jakob Dobers und Anne von Keller auf die Nähe zum Hörer, der hier handgemachte Musik geboten bekommt, oder, wie es das Duo selbst bezeichnet, "einfache Lieder mit komplizierten Texten" - womit wir wieder beim Leben wären, das ja bekanntermaßen ganz einfach kompliziert ist. Am Besten wird selbiges mit Humor genommen und in dieser Disziplin scheint es sich bei SORRY GILBERTO um wahre Helden zu handeln. Das kurze Album über den längsten Tag wird von einem Humor durchzogen, der als Medizin ganze Pharmakonzerne ins Wanken bringen könnte, zumindest in jener Welt, welche die beiden Musiker skizzieren: so feinfühlig und magisch wie die durch ihr ganz eigenes Geisterreich staksenden Piano Magic, doch im Gegensatz zu dem englisch-französischen Ensemble geht SORRY GILBERTO im Diesseits auf Entdeckungsreise und stolpert über schneebedeckte Hundehaufen und schneidert sich aus den gestrigen Schmerzen ein Supermannkostüm, auf Neudeutsch: der fliegende Robert goes Mininmal Pop. Seltsam, wie unbeschwert dieses Duo mit ganz wenigen Klängen immer mehr Menschen zu verzücken mag...


Folker-Review Dezember 2010

Der Kinderzimmerfolk des Berliner Duos Sorry Gilberto ist das genaue Gegenteil dessen, was täglich durch Hitradios an Poser-Rock unsere Ohren beleidigt. Jakob Dobers und Anne von Keller führen Popmusik wieder auf ihre Ursprünge im Folk, der Straßenmusik und den Moritaten Weillscher Prägung zurück. Hier gibt es keine künstlich übertriebenen Emotionen. Der Gesang ist vergleichsweise stoisch, das Instrumentarium, von dem die Musik lebt, umfasst neben Gitarre und Bass vor allem etwas ausgefallenere Instrumente wie Ukulele, Banjo, Glockenspiel und Beats aus dem Minicasio. Die Songs sind schnörkellos, haben aber etwas von Kinderliedern oder Leierkastenmusik, und schnell erwischt man sich beim Mitsummen. Trotz der scheinbaren Steifheit des Vortrags merkt man schnell, wie liebevoll die Arrangements gestaltet sind und wie die Vielzahl der Instrumente jeden Song in ein anderes Praliné verwandeln. Letztlich ist dies die Verweigerung einer Popentwicklung, die einmal als einfaches Lied begann und beim aufgeblähten Bombast eines Eurovision Song Contest endete. Die Sehnsucht nach einfachen, beschwingten Liedern scheint aber wieder zu wachsen. Deshalb ein Hurra auf die Leichtigkeit!
Hans-Jürgen Lenhart




REVIEWS
MEMORY OH



INTRO 9/2008

Zu Ukulele und Glockenspiel erzählt das Duo Sorry Gilberto Kurzgeschichten über Supermärkte - und spielt damit die schwer intensive Innerlichkeitsliteratur an die Wand.

Woody Allen fragt sich, ob Erinnerung eigentlich das ist, was weg ist, oder das, was bleibt. Marcel Proust sagt: Es ist beides gleichzeitig, und das macht die Sache so unglaublich, dass ich sofort ein Buch mit sieben Bänden darüber schreiben werde. So ein Thema erschöpft sich nicht, es wird auf ewig durchdacht werden. Auch und gerade in den Städten, wo jeder einen Parallelstadtplan voller Erinnerungsorte mit sich trägt und regelmäßig seinen eigenen Geistern begegnet. Sorry Gilberto sind Berichterstatter aus diesem Dazwischen. Ihre Lieder sind Kurzgeschichten mit Musik, die von der Einsamkeit des Supermarktes handeln, von Neil Young und letzten Dingen oder von dem Sommer, in dem alle plötzlich Kinder bekommen. Und eben von der Erinnerung. "Inspiration kann alles sein, was uns begegnet. Es geht um eine Art von Verzauberung der Realität. Aus etwas Alltäglichem etwas Magisches zu machen. Und um eine Art von Humor, der nicht Witz ist, sondern eine Art, die Welt zu sehen." Damit haben Sorry Gilberto einem gewissen Teil der deutschen Gegenwartsliteratur jedenfalls schon mal etwas voraus. Es verwundert nicht, dass sie den Schriftsteller Jonathan Lethem oder die Künstlerin Sophie Calle als Einflüsse nennen - Experten in Sachen magische Realitätsverschiebung.

Jakob Dobers und Anne von Keller kennen sich "vom Malzusammengewesensein", wie sie sagen. Sie bewegen sich in einem kleinen Netzwerk Berliner Bands, das um das Popschutz-Studio entstanden ist. Früher bestand das Projekt Sorry Gilberto aus noch mehr Freunden: "Es gab mal eine Phase mit Schlagzeuger und Pianist, doch dann merkten wir, dass eine reduziertere Form unseren Songs mehr entspricht." Als Duo entwerfen Anne und Jakob melancholisch-komische Folkminiaturen - oft mit Gitarren, Orgel, Glockenspiel, Ukulele und Bass, manchmal mit Beats aus dem Minicasio oder Blockflöte. Und vor allem: mit ihren Stimmen, die zusammen eine sehr schöne, brüchige Art von Harmonie erzeugen. Manchmal, zum Beispiel in "Love But Zero", erinnern Sorry Gilberto deshalb an die Moldy Peaches und die besondere Melancholie ihrer naiven Duette, in anderen Songs eher an die hektischen Geschichtenerzähler Herman Düne. Allein: Das fleißige Track-by-Track-Referenzsuchen macht zwar immer wieder Spaß, aber eigentlich keinen Sinn, handelt es sich doch gerade bei "Memory Oh" um ein Album voller einzigartiger und im bestmöglichen Sinne eigenartiger Songs - und Geschichten zwischen hier und dort.
Text: Dana Bönisch


TAZ 05.09.2008

Dieses Berliner Driften

Einfachheit, Hippie-Werte: Bei Bands wie Sorry Gilberto ist das wieder voll okay. Überhaupt, ist der in der billigen Hauptstadt gestrandete New Urban Folk Underground nicht das aktuelle große Ding?
VON ANDREAS HARTMANN
Die Zeiten, in denen der Popstandort Berlin so richtig laut war, sind seit ein paar Jahren vorüber. Laut war man zu der Hoch-Zeit des Berliner Labels Kitty Yo, als die Hauptstadt sich selbst neu entwarf mit Hilfe von meist elektronischer Popmusik, die überall in der Welt als hip galt. Inzwischen sind nur noch Aggro-Rapper aus Marzahn, Feierengländer in Friedrichshain und Ravespanier in der Schlange vor dem Berghain laut. Die Popszene hat sich verflüchtigt, atomisiert, Kitty Yo gibt es nur noch online und ähnlich gelagerte Labels sind nur noch damit beschäftigt, einigermaßen den Betrieb aufrechtzuerhalten. Ein paar wenige große Bands wie die Ärzte oder die Beatsteaks landen vorne in den Charts, alle anderen sind froh, wenn sie ein paar Freunde bei Myspace finden.

Und trotzdem tummelt sich eine riesige Underground-Szene in der Stadt, nur unterhalb des medialen Hype-Radars. Sogar zu einem Kinofilm hat das Treiben einer internationalen, sich im billigen Berlin gefundenen Szene angeregt, zum eben angelaufenen "Berlin Song". Von einem "New Urban Folk Underground" ist hier die Rede, von melancholisch dreinblickenden Singer-Songwritern mit der Gitarre in der Hand. Man würde einfach auch Anti-Folk dazu sagen, wenn der Begriff nicht durch den Erfolg von Adam Green seiner Unschuld beraubt worden wäre.
Jakob Dobers sagt dennoch manchmal "Antifolk", um das zu beschreiben, was er mit seiner Band Sorry Gilberto macht, die er zusammen mit Anne von Keller betreibt. Ganz selbstverständlich spricht er von einer Berliner Antifolkszene, deren Zentrum sich inzwischen wohl von New York nach Berlin verlagert hat. Antifolk ist eine Musik der Bohemians und Bohemian kann man längst besser im billigen Berlin als in Manhattan sein. Die Musiker kommen aus England, den USA oder Norwegen, sie wohnen hier, vielleicht aber auch noch woanders, und ob Berlin was für länger ist, das ist auch noch nicht klar. Auch bei Sorry Gilberto spürt man diese Zerrissenheit, dieses Gefühl eines Driftens. Es geht immer ums Reisen, um Flucht, Bewegung. "When the Beatles went to India" heißt ein Song auf ihrer eben erschienenen, ersten Platte "Memory Oh", "Neil Young (on an aeroplane)" ein anderer. Im "Oslo Song" sieht man das Duo am Straßenrand, trampend mit einem "Oslo"-Pappkarton in den Händen. Der Geist der amerikanischen Hobos, er scheint auch in Kreuzberg angekommen zu sein.
Das Erstaunliche ist, dass Sorry Gilberto längst in Oslo gespielt haben, auch in Frankreich sind sie aufgetreten, "oft im privaten Rahmen", erzählt Anne von Keller und schwärmt von einem Auftritt in Paris, der einen ähnlichen Charakter gehabt haben muss wie diese sogenannten Wohnzimmerkonzerte, als es das noch verstärkt in Berlin gab, wobei diese, so Jakob Dobers, auch in Berlin langsam wieder zurückkommen würden. In Zeiten der Gentrifizierung ist das Private wieder eine Alternative.
Für eine Band ohne Plattenvertrag wären Touren im Ausland früher kaum denkbar gewesen, heute hat sich jedoch eine Antifolk-Szene international via Internet und Myspace vernetzt und man lädt sich gegenseitig ein. Da alles eher auf Fantum-Basis stattfindet, bleibt das meiste Geld auch bei den Bands hängen, ein klein wenig, so Sorry Gilberto, würde man also sogar verdienen bei diesen Auftritten. Auch weil alles wieder persönlich läuft, gepennt wird beispielsweise beim Veranstalter auf der Couch, bestätigt Anne von Keller. Verwüstete Hotelzimmer, wie sie früher im Rock und in besseren Zeiten der Musikindustrie einmal verlangt wurden, sind im Antifolk allein schon durch die Umstände gar nicht mehr drin.
Freundschaft, Ehrlichkeit, solche Hippie-Werte gelten im Berliner Antifolk wieder was. Die Leute, die das junge Sorry-Gilberto-Label Goldrausch betreiben, sind natürlich Freunde der Band; Noel Rademacher, mit dem man auf Skandinavien-Tour war und der selbst in diversen Bands spielt: ein Freund. Nach Nirvana wurde aus "Independent" samt seinem Ideal eines vom reinen Geldverdienen befreiten Musikmachens auch nur ein anderes Wort fürs große Geschäft, der Berliner Antifolk scheint nun dagegen "Indie" wieder auf seinen Ursprungsgedanken runterzubrechen.
Einfachheit ist hier wieder okay, auch in der Musik. Die Songs von Sorry Gilberto sind spartanisch instrumentiert, Anne spielt eigentlich Bass, aber auch eine italienische Flohmarktorgel - und Blockflöte. Im "Oslo Song" gibt es richtiggehend ein Solo von ihr. Jakob spielt Gitarre und Ukulele, beide singen, oft zusammen, seine tiefe Stimme erdet ihre hohe. Lee Hazlewood und Nancy Sinatra fallen einem ein, aber auch die Moldy Peaches, diese hübsche Band, in der Adam Green mit dabei war, bevor er Deutschlands neuer David Hasselhoff wurde. Die Musik von Sorry Gilberto ist direkt, melancholisch, zart.
Man hat das Gefühl, Sorry Gilberto und der Berliner Antifolk sind ein leises Aufbäumen gegen die drohenden und bereits spürbaren Umwälzungen in dieser Stadt. Inzwischen ist selbst der "Schokoladen", einer der Szenetreffs in Mitte, von der Gentrifizierung bedroht, und wer weiß, wie lange es eine halblegale Örtlichkeit wie das "Westgermany" in Kreuzberg noch geben wird. Wütend sein, auf die Straße gehen, Protestsongs schreiben gegen Media-Spree und die Loftisierung der Stadt, was bringt das noch? Sorry Gilberto und die anderen suchen den Weg in die Innerlichkeit, als Bewegung ist das vielleicht sogar weniger eskapistisch, als man erst mal annehmen könnte.
Wir sitzen gerade im "San Remo". Plötzlich fängt die riesige "O2 World" zu blinken an wie verrückt, die riesige Arena sieht aus wie ein Ufo. "Das habe ich so auch noch nicht gesehen", sagt Anne. "Zur Eröffnung soll es eine Demo geben", weiß Jakob. Ein bisschen spät, fällt uns allen auf.
Sorry Gilberto: "Memory Oh" (Goldrausch). Record-Release-Konzert: 6. 9. im L.U.X, ab 21 Uhr
 

Biography 2016

Sorry Gilberto: Lieder, die im Dunkeln leuchten

Sorry Gilberto sind wieder da. Mit ihrem zauberhaften vierten Album „Twisted Animals“. Mit Musik für die Dämmerung und den strahlenden Tag. Mit Musik für einen Film, den gleich drehen möchte, wer ihren Liedern lauscht. Sie sind wieder da mit ihrer euphorischen Melancholie, mit Songs, die das Kunststück fertig bringen, fröhlich und melancholisch zugleich zu klingen.
Sorry Gilberto bleiben sich treu, Anne von Keller und Jakob Dobers singen zu reduzierter, ja sparsamer Instrumentierung, sie sind noch immer ein Duo, immer zu zweit, singen im Duett. Und singt einer von ihnen mal eine Strophe alleine, steigt die Erwartung, die Spannung, ja Vorfreude auf den Einsatz des anderen. Sie singen zart, ja zärtlich, manchmal sogar zerbrechlich. Sie singen eine Freundschaft.
Sie singen Hell-Dunkel mit Hall und Echo, Sorry Gilberto singen Chiaroscuro. Sie singen Sommertage, an denen es auch regnet, Lieder, die ein Lächeln in alle Gesichter malen. Was Musik eben kann.
Musik, zu der man sich bewegen möchte, Musik wie geträumt. Sorry Gilberto können wie Velvet Underground klingen und an Belle and Sebastian erinnern – dann aber erinnern Sorry Gilberto eigentlich nur an Sorry Gilberto. Sie haben sich gefunden, Anne und Jakob, sie machen die Musik, die Töne, die immer auch von der Fragilität des Lebens und aller Gefühle erzählen.
Seit 2007 gibt es diese großartige musikalische Partnerschaft. Gute Jahre, „Memory Oh“ erschien 2008, „It was the longest day and we didn't know how to end it“ 2010, „Construction Work & Stormy Weather“ folgte  2012. Sie haben ihr siebtes Jahr hinter sich, sie werden immer besser.
Und sind wieder da, mit Liedern, die im Dunkeln leuchten. Mit Songs, die von gelben Pullovern, dem Geruch von Kaffee und Besuchen beim Psychoanalytiker berichten. Mit Songs, die von dummen Flaggen auf Balkonen, der Notwendigkeit, sich zu verschenken und Verlusten von Menschen und Orten singen. Songs, die helfen. Songs, die Fenster hinter Fenstern öffnen, Songs, in die man sich verlieben muss.
Sorry Gilberto sollen in der Bar zu hören sein, in die ich jeden Abend gehen möchte. Noch besser, sie sollen dort spielen, jede Nacht. Und alle fangen an zu tanzen.    
David Wagner (Autor, Preis der Leipziger Buchmesse 2013)


Aufgenommen wurde "Twisted Animals" im Candy Bomber Studio Berlin – dort, wo auch Sophie Hunger und Tocotronic Platten eingespielt haben.
Dieses Studio gibt Sorry Gilberto einen neuen Klang: Analoger Hall und Tape Echo öffnen Räume und machen die Musik plastisch und geisterhaft zugleich. Die sphärischen Sounds des Omnichords, neuste Anschaffung der Band, verstärken diesen Eindruck noch.
Sorry Gilberto formulieren ihren bisher manchmal skizzenhaften Popentwurf diesmal detailgenauer aus. Es gibt immer noch die alten analogen Rhythmusmaschinen, mäandernde Instrumentalpassagen kehren schnell zum Song zurück und manches bleibt minimalistisch und freigestellt. Die einzelnen Sounds und die Klangräume der Lieder sind jedoch viel definierter als bisher.
So erinnert „Yellow Sweater“ mit seinen trockenen Gitarren und den Distortion-Momenten an Neil Young in der „On the Beach“-Phase und in seiner melancholischen Psychedelik an Mazzy Star. „Nicer Person“ klingt nach Young Marble Giants, die Velvet Underground spielen und „I Adore You“ schafft Brian Eno-Assoziationen nur durch das Zusammenspiel von Omnichord und Gitarre. Überhaupt gibt es diesmal weniger Lagerfeuer und viel mehr After Hour. Der Plattenhall, das Delay und gedoppelte Chöre erzeugen eine gewisse verhangene Entrücktheit, die durch die sehr bildlichen Texte wieder konterkariert wird.
Sorry Gilberto haben mit „Twisted Animals“ die Details ihres Universums erforscht und haben daraus eine besondere Kraft für ihre Songs gewonnen. Diese eröffnen jeder für sich eine eigene Welt und erzählen ihre Geschichten meistens vom Ende her.
Produziert wurde „Twisted Animals“ von Ingo Krauss und Sorry Gilberto und wird am 23.9.2016 via Solaris Empire / Broken Silence erscheinen.

 

Biography 2012

Seit 2007 ziehen Anne von Keller und Jakob Dobers als Sorry Gilberto durch die Clubs, Cafés, Theater, Wohn-zimmer und Hinterhöfe von let's say Europa und singen von Tapiren, Dächern, Meisterwerken, ausge-dachten Akademien und von der Grausamkeit der Kunst. Und immer klingt das einerseits wie gerade erfunden und hin-erzählt und andererseits hat hier jeder Ton einen Grund und jede musikalische Haltung scheint bewusst gewählt. Und vielleicht ist das das Besondere an Sorry Gilberto: Sie verbinden die Unmittelbarkeit von Folksongs mit der glamouröseren und zitatreichen Sprache des Pop und zeigen so, dass auch diese Unmittelbarkeit längst eine Ausdrucksform ist, die zur Verfügung steht und genutzt werden kann.

Etwas hinschludern, aber mit Liebe zum Detail, das haben in den Neunzigern Bands wie Silver Jews oder Pavement vorgemacht, und Sorry Gilberto kombinieren diese Arbeitsweise mit ihrer Liebe zu kleinteiligen Ge-schich-ten in einem nichtmuttersprachlichen Englisch aus der Schule des Lebens und einem fast schon streng anmutenden Hang zur Reduktion. Nach „Memory Oh“ (2008) und „It was the longest Day and we didn't know how to end it“ (2010) erscheint nun ihr drittes Album: „Construction Work & Stormy Weather“.

Normalerweise gehen Bands für ihr drittes Album in ein größeres Studio, engagieren einen Produzenten aus Schweden und schreiben ellenlange Songs mit experimentellen Parts. Sorry Gilberto haben einen andern Weg gewählt: die Hälfte der Songs auf „C W & S W“ wurden in Annes Küche aufgenommen, die andere Hälfte, wie schon bei den Alben zuvor, im Popschutz-Studio – und keiner ist über 4 Minuten lang. Immerhin gibt es zweimal Streicher zu hören (wunderbar arrangiert von Jakob Diehl), aber die dienen mehr einer mutwilligen Dramatik und verweigern die Überführung ins seriöse Fach.

Trotzdem ist diesmal einiges anders und so gehört es sich ja auch, wenn Construction Work drübersteht. Von dem über eine stoische alte Beatmaschine dahinschlingernden „Who Am I Watching“ geht eine wavige Melan-cholie aus, noch unterstützt durch den mantraartigen Duettgesang und den noisig kühlen Gitarrenteil am Ende. Ein blauer Gruß hinüber zu den Young Marble Giants. „New Sensations“ sinniert über die Möglichkeiten alt zu werden ohne zu verblöden ( ...and that i may not mistake my long gone youth / for the end of the avant-garde) und lässt Ukulele und Orgel euphorisch durch den Lebensabend reiten. Am weitesten entfernen sich Sorry Gilberto aber mit „Blockbuster“ von dem, was sie bisher gemacht haben: Mit Steve Heather (Drums) als Gast und den frühen The Cure im Ohr wird das Eindringen der Idee der Perfektion in das unzulängliche Selbst über Gitarren-lärm geshoutet. Was es sonst noch gibt? Einen zärtlich-weltlichen Gospelsong mit „Dear Passengers“, eine Nacht-ballade, reduziert und tiefschwarz über den Blick von außen aufs eigene Leben mit „The Jury“ und „Part Of Me“, das in der Erkenntnis gipfelt: „oh life/ the longer you have it / the stranger it gets.“

Strange-vertraut klingen auch die anderen Songs auf „CW & SW“ und zeigen wieder einmal, dass alles Anlass sein kann für ein Lied: ein Casiotonrauschen, ein altes Tierbuch oder komisches Wetter. Musik zum Aus-der-Zeit-fallen, auf der Höhe der Zeit. Oder wie es in „Chemical Romance“ heißt: „and if I had the chance / i would love to see them dance / close but without touching each other in a chemical romance / the music should be slow/ and the singer would sing oh/ if there is no time / if there’s only space / which place do you wanna go?”

„Construction Work & Stormy Weather“ wurde produziert und gemischt von Bucket-Brigade in Annes Küche und im Popschutz-Studio und gemastert von Ingo Krauss im Candybomber-Studio.


SHORT ENGLISH VERSION

Sorry Gilberto are Anne von Keller and Jakob Dobers. They travel Europe since 2007 and play themselves through clubs, theatres, bars, roofs and livingrooms. They like instruments which fit in small cars, such as Ukulele, Casio-Keyboard and Glockenspiel.Construction Work & Stormy Weather is their third album.  The first one was called Memory Oh and the second one It was the longest day and we didn't know how to end it.

Sorry Gilberto write simple songs with complicated lyrics. For the new album, they used an old rythm-machine two times. It's called Ace-Tone and they are proud of having it. Jakob Diehl did String-Arrangements for two other songs. 

But you know, its still not big stage-production. Its more like imagening a big stage on a small stage. Or as they sing in Part Of Me: 

Oh life, the longer you have it, the stranger it gets.

Sorry Gilberto are missing the Moldy Peaches. And they hug Jonathan Richman. Some might call it Anti-Folk. 

We call it Singalong in the Tower of Song.